Dortmund, Derby, Taxiteller

Ich arbeite in einer Agentur, in der quasi alle Menschen fußballbegeistert sind. Das ist großartig. Es führt natürlich dazu, dass man irgendwann plant, doch mal gemeinsam ein Spiel des eigenen Vereins im Stadion anzuschauen. Auch das ist großartig. In diesem Fall plante ich mit der lieben Ewa – die mag allerdings den falschen Verein. Nämlich die Blauen. Da wir uns aber sehr gern mögen, haben wir beschlossen, doch zusammen das Derby anzusehen. Ja genau, das mit den beiden konkurrierenden Clubs par excellence und den maximal möglichen Emotionen.

Ich habe vor letztem Samstag nie ein Derby im Stadion gesehen. Mein Adrenalinspiegel war schon am Tag zuvor auf einem medizinisch sicher bedenklichen Level und trotz wenig Schlaf war ich selten so wach wie am Samstagmorgen. Eine seltsame Mischung aus Vorfreude, Herzklopfen und Respekt – denn schließlich hätte ich im Fall einer Niederlage ja auch noch unmittelbar die Freude der Konkurrenz, noch dazu der blauen Konkurrenz, erleben müssen. Andererseits war der gemeinsame Besuch das fulminante Highlight meiner „Fußball-Konkurrenzwoche“, nachdem ich zufällig das Bayern-Spiel zuhause bei einem Bayern-Fan (der mich nicht rausgeworfen hat ;)) und das Champions League-Spiel mit einem Arsenal-Fan sah.

Trotzdem war für einen gewissen „Ausgleich“ gesorgt: Ewa verweilte bereits in NRW, so reiste ich zusammen mit Ina an, die als BVB-Fan auch ihr erstes Derby sah. Am Bahnhof wurden wir von Till abgeholt (Ich sage nur: Er hat ein schwarz-gelbes Schaf im Wohnzimmer!), der uns gekonnt zum Stadion navigierte. Nachdem ich es irgendwie geschafft hatte, nicht nur Sascha, der unsere Tickets hatte, sondern auch noch Ewa zu finden, konnte es losgehen. Derby!

Noch ein paar Erinnerungsfotos mit Ewa, dann die Treppen hoch, und zum wiederholten Male: diese unfassbare Atmosphäre, diese Spannung in der Luft, die einem den Atem nimmt, aber ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Auf der Nordtribüne, die fast ausschließlich schwarz-gelb besetzt zu sein schien, wurde Ewa zwar etwas belächelt und musste natürlich diverse Sticheleien ertragen, böse Kommentare kamen aber nie. Alles sehr freundlich insgesamt.

Nach den ersten Spielminuten verfinsterte sich Ewas Gesicht relativ schnell, lediglich zu Beginn der zweiten Halbzeit flackerte kurz wieder Hoffnung auf. Auch diese hielt allerdings nicht wirklich lange an. Ich hingegen war begeistert davon, was sich da auf dem Platz abspielte. Schöne Taktik, Spielzüge, die mich lächeln ließen, und von Beginn an große Chancen und jubelnde Dortmund-Fans.

Natürlich ist es irgendwie komisch, zu jubeln, während einer Freundin das Fußballherz bricht, aber der BVB spielte sich und zog mich in einen Rausch. Außerdem wussten wir ja, worauf wir uns da eingelassen hatten und ich war, ehrlich gesagt, schon froh, nicht in ihrer Position zu sein. Spitzen in ihre Richtung konnte (und wollte) ich mir sowieso sparen, Ewa war auch so bedient. Und zeigte trotzdem wahre Größe, als sie nach dem Abpfiff die Dortmunder Leistung anerkannte. Revierfreundschaft ist also möglich und der gemeinsame Stadionbesuch war ein echtes Erlebnis, das uns noch näher zusammen gebracht hat. Ob ich mich allerdings in der Rückrunde nach Gelsenkirchen traue, das weiß ich noch nicht… 😉

Da Ewa nach dem Spiel weiter reisen musste, feierte ich mit Ina und Till den Derbysieg. Und durfte zudem wohl eines der großartigsten Telefonate der Geschichte erleben, als Till meinen Vater (Gladbacher) anrief. Da man dieses Telefonat nicht halb so lustig beschreiben kann, wie es war, lasse ich es und sage einfach: Es war fabelhaft. Ebenso wie der Abschluss mit mehr Bier und dem unvergesslichen Taxiteller (Pommes, Currywust, Gyros und ordentlich Mayo!).

Danke an alle, die diesen Samstag so großartig haben werden lassen! Vor allem an Ewa, die das Ergebnis mit Fassung trug und eine wahre Revierfreundin ist, an Ina und Till für die unterhaltsame Begleitung und den grandiosen Abschluss, an Sascha und Torsten, mit denen es leider nur für eine viel zu kurze Unterhaltung und Derby-Vorbereitung reichte und natürlich an die Mannschaft für dieses Ergebnis.

Der nächste Stadionbesuch ist schon geplant!