Shopping in den Orlando Premium Outlets

Was bei der ersten Fahrt durch Orlando direkt ins Auge fällt, das sind die unzähligen Outlet Malls. Alle paar Meter sollen Fabrikverkäufe und günstige Preise für diverse Marken Touristen anlocken.

Obwohl ich zugegeben gern mal shoppen gehe, ein Fan von Outlet Shopping war ich bisher nicht. Mit diesem Phänomen habe ich auch erst eine einzige Begegnung verbucht, die hat mir allerdings auch gereicht. Vor ein paar Jahren zog es mich in ein Outlet eines großen Klamottenherstellers: Fabrikverkauf im Wortsinn, eine graue Halle, karge Kleiderständer mit allen möglichen Klamotten, windige Umkleiden. Einladend war es nicht. Dazu Unmengen von Menschen, die mit Einkaufswagen (!) und ohne Rücksicht auf andere durch die Gänge rasten, während des Durchwühlens von KleidernJeansTops noch im Gang die Klamotten von sich rissen und scheinbar wahllos das aus dem Supermarkt bekannte Transport- und Aufbewahrungsmittel vollstopften. Schön geht anders, mein Bedarf an Outlets war für die nächsten Jahre jedenfalls gedeckt. (Für andere Outlets kann ich natürlich nicht sprechen, ich war ja nur in einem.)

In Orlando allerdings kommt man an den Outlet Malls quasi nicht vorbei, also: ein neuer Versuch, auf in die Orlando Premium Outlets. Die Malls bilden ein eigenes kleines Städtchen, teilweise reihen sich bis zu 180 Läden aneinander. Im Gegensatz zum Fabrik-Charme wirkt alles freundlich, offen, die Stores sind supermodern und auf Hochglanz poliert. Kein Unterschied zu den Läden, in denen man im Normalfall zuhause halt auch so einkauft, eher noch ein bisschen schicker. Von innen wiederholte und verstärkte sich der positive Eindruck: aufgeräumt, sauber und vor allem nicht überfüllt (wenngleich trotzdem alles verfügbar war). In den Regalen und an den Ständern wirbelten die Klamotten nicht in allen Größen und Farbversionen durcheinander, sondern waren jeweils etwa ein Mal vertreten. Man musste sich nirgendwo durchwühlen. Man konnte einfach angenehm durch die einzelnen Bereiche der Stores stöbern. Es war einfach, den Überblick über den Store zu behalten, sich nicht in schieren Mengen zu verlieren. Ein unerwartet angenehmes Einkaufserlebnis – und das in jedem Store.

Auch die allgemeine Atmosphäre war sehr angenehm und fernab von Hamsterkäufen und eindimensionalem Shopping um des Shoppings willen, auch wenn das sicher der ein oder andere dennoch so gemacht hat. Es gab kein fieses Drängeln, kein Schubsen, kein Ich-hatte-das-aber-zuerst. Jeder schaute und guckte, probierte mal dieses und jenes, überlegte, ohne direkt feindliches Fauchen im Ohr zu haben. Es gab nicht nur genug Platz für die Kleidungsstücke, sondern auch für die Einkaufenden und damit für das Shoppingerlebnis.

Dazu kommen natürlich die sowieso sehr freundlichen Angestellten, die das Einkaufen zusätzlich zu einem Vergnügen machten. Und ja, natürlich auch die schon signifikant günstigeren Preise im Vergleich zu dem, was man zu Hause so bezahlt. Alles in allem also ein ganz und gar wunderbarer Tag, auch wenn ich am Ende quasi kaputt geshoppt und vom vielen Laufen völlig fertig war.

Ich persönlich habe mich übrigens trotz der hervorragenden Shopping-Rahmenbedingungen ziemlich zurück gehalten. Eine Jeans und eine Jacke (nach beidem wollte ich schauen) landeten in meinen Outlettaschen, ebenso wie ein Kurz-Jumpsuit aus der Golf-Kollektion von adidas. Jumpsuit adidasJa, das klingt völlig absurd und ja, es bin immer noch ich. Eigentlich wollte ich den auch nur anprobieren, weil das so bescheuert ist, dass ich es einfach machen musste, aber dann saß er halt perfekt und sah auch noch ernsthaft gut aus. Und da es ein besonderes Kleidungsstück ist: Gekauft.

Wie man sich trotz vermeintlich so großer Shopping-Verlockungen zurückhält, um nicht kopflos einzukaufen und am Ende Ausgaben zu bereuen? Voilà, meine Top 5-Tipps/-Fragen gegen den wahllosen Shopping-Rausch:

  1. Nie nix kaufen, was nicht von Anfang an passt. Woran man ständig rumzuppeln muss. Worüber man zu lange nachdenkt. Was man super findet, das findet man meistens ziemlich schnell super.
  2. Passt das Teil wirklich zu mir? Kann ich mir vorstellen, das oft anzuziehen? Habe ich Klamotten, die sich dazu kombinieren lassen?
  3. Kaufe ich das jetzt nur, weil ich etwas kaufen will und weil es so günstig ist? Ist das Teil irgendwie besonders oder wäre es vermutlich für mich nur ein beliebiges weiteres Stück Stoff im Kleiderschrank?
  4. Vorher überlegen: Was will ich/was brauche ich genau? Zielgerichtet schauen. Sich vielleicht vornehmen, dass für jedes neue Teil ein altes den eigenen Kleiderschrank verlassen muss.
  5. Sich selbst fragen, ob einem dieses Teil zuhause ohne Outlet auch in einem Shop aufgefallen wäre – und ob es einem grundsätzlich auch den Normalpreis wert wäre.