High-Tech-Sushi

Entschuldigen Sie, wie funktioniert dieses Restaurant?

Dass man Tokyo quasi nicht erkunden kann, ohne sich ständig hoffnungslos zu verlaufen, darüber schrieb ich ja bereits. Dass die Ratlosigkeit und Verwirrung allerdings möglicherweise auch nicht aufhört, wenn man denn das Restaurant der Wahl gefunden hat, dafür ist Uobei Genki Sushi ein schönes Beispiel. Meine kulinarische Lieblingsseite Bento.com (siehe auch hier) empfahl mir dieses Restaurant in Shibuya und bewies damit ein Mal mehr, dass sie zu Recht in meinen Bookmarks landete. Nachdem ich Uobei Sushi in einer Seitenstraße unweit des riesigen Shoppingcenters Shibuya 109 endlich gefunden hatte, ging das Abenteuer los.

Zunächst erhielt ich eine flache Plastikkarte mit allerhand Zeichen, die ich nicht verstand, und der Nummer 46, die ich verstand, bei der ich aber nicht so recht wusste, was ich mit ihr anfangen sollte. Nachdem ich etwas weiter nach hinten zum Essbereich geleitet wurde, erschloss sich ihr Sinn aber sehr schnell: Das war die mir zugewiesene Platznummer. So weit, so gut.

Uobei Genki Sushi BestellungÜber meinem Sitzplatz befanden sich diverse Karten mit den Angeboten, über einen Bildschirm wurde ich begrüßt und mir blinkten allerhand Kanji entgegen. Das Menu ließ sich mit zwei kurzen Klicks auf Englisch umstellen und offenbarte mir dann Sushi in allen Formen und Farben, die Portionen größtenteils zum unschlagbaren Preis von 105 Yen. Zusätzlich fanden sich da jede Menge unerklärliche Knöpfe mit Smileys, drei Schienen sowie ein Wasserhahn ohne Becken darunter. Alles klar, nichts ist klar.

Uobei Genki SushiAus dem breit gefächerten Menu ließen sich pro Bestellvorgang drei Portionen ordern, weitere Bestellungen konnte man direkt anschließen. Durch Geduld und Beobachtung (ein generell guter Weg, um in Japan klar zu kommen) erschloss sich mir in der Zwischenzeit der Sinn der Wasserhähne. Über meinem Kopf befand sich ein Regal mit Bechern und neben mir eine Dose mit pudrigem grünen Tee, aus dem Wasserhahn ließ sich eben jenes kochend beziehen. Fantastisch. Gleichzeitig entdeckte ich auch noch die Takeaway-Boxen für den Fall, dass man zu viel geordert hat.

Schließlich kam mein Essen an, aber wie! Nicht langweilig auf einem dieser gemächlich seine Runden drehenden Fließbänder, wie sie auch bei uns bekannt sind. Nein, sehr dynamisch kam ein Tablett nach jeder Bestellung von irgendwo aus dem Nirgendwo (na gut, der Küche) auf einer von drei mechanischen High-Tech-Schienen/Fast Tracks angerast und manövrierte sich zielsicher direkt zu meinem Platz. Wo sofortigst Lärm ausbrach und ein Smiley-Knopf hysterisch blinkte. Sobald der gedrückt wurde, entschwand das Tablett magisch wieder dorthin, von wo es gekommen war. Nachdem man das Sushi vorher entnommen hatte, natürlich.

Uobei Genki Sushi ShibuyaAllein für dieses nahezu schon als Schauspiel zu bezeichnende Erlebnis lohnt sich ein Besuch bei Uobei Sushi. Das Sushi war zudem wirklich lecker und sehr frisch, der Lachs zerging quasi auf der Zunge. Für experimentierfreudige Besucher gab es auch Sushi-Adaptionen mit Würstchen, die habe ich mir allerdings erspart und bin lieber zum Dessert in Form von Eis übergegangen (ebenfalls sehr lecker).

Und gerade als ich dachte, ich hätte dieses Restaurant verstanden, blinkte und fiepte mir mein Flatscreen wieder entgegen, erneut auf Japanisch. Eine Figur verlangte irgendwelche Entscheidungen für irgendwelche Optionen von mir, warum auch immer. Uobei Genki Sushi SpielEs erschloss sich mir nicht sofort, aber diese digitale Spielerei sollte Ähnlichkeiten zu Schere, Stein, Papier aufweisen und mir eine Chance auf einen Gewinn in Form einer reduzierten Rechnung bieten.

Auch ohne Gewinn: Einen Besuch bei Uobei Sushi kann ich insgesamt nur jedem, der nach Tokyo kommt, ans Herz legen: Sehr gutes Sushi zu einem unschlagbaren Preis mit einer Portion Tech-Entertainment und dem Feeling vom Restaurantbesuch aus der Zukunft. (Keine Frage, dass ich während meines Aufenthalts noch mehrfach dort vorbei schaute.)

2 Gedanken zu „High-Tech-Sushi

  1. Ach, Claudia. Das liest sich immer so schön. Und man bekommt Fernweh. Ich zumindest, der das Glück hatte, schon mal in Japan sein zu dürfen und viele seiner Kuriositäten kennenlernen zu können. Ich bin gespannt auf Deine Australien-Berichte. Denn dieses Land – wahrscheinlich bin ich der einzige – interessierte mich bislang nie wirklich. Mal sehen, ob es nach der Lektüre Deiner Einträge anders wird.

    • Sascha, ganz lieben Dank für dieses schöne Kompliment! <3 Tatsächlich reizte mich Australien auch sehr lange nicht, dann aber auf einen Schlag - und es ist unsagbar schön. Beiträge folgen schnellstmöglich - ich hab da zwar noch Unmengen über Tokyo im Kopf und den Entwürfen, werde die aber möglicherweise einfach etwas aufschieben und jetzt erstmal über Sydney schreiben. Schön, dass du hier immer so fleißig mitliest! 🙂

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