Im Zirkel.

Wem beim Wort „Zirkeltraining“ eiskalte Schauer der Erinnerung an schreckliche Schulstunden in grauen und müffelnden Turnhallen über den Rücken laufen, dem geht es wie mir. Beziehungsweise: Dem geht es wie es mir bis vor einer Woche ging. Zirkeltraining ist ja so ein bisschen der Rosenkohl des Sports: Fad und bitter, aber es ranken sich Mythen darum, dass man irgendwann trotz all der versauten Mahlzeiten Gefallen daran finden könnte.

Nach der Schulzeit ist die herkömmlichste Form des Zirkeltrainings wohl die im Fitnessstudio. Mit jenen habe ich es zwei Mal probiert, mit mittelmäßigem Fazit. Ich mag diese oft spezifische Fitnessstudio-Atmosphäre nicht. Da ist so wenig Schönes, aber so viel kaltes Metall mit großen, drohenden Gewichten. Wenig, was auch nur annäherungsweise Wohlfühlen während des Sports und nicht nur danach verheißt, dabei halte ich diesen Faktor für unterschätzt. Ein weiterer nerviger Aspekt für mich persönlich: Die Dauerverträge, meist über ein ganzes, manchmal über ein halbes Jahr. Monatliche Kündbarkeit kostet, falls überhaupt verfügbar, noch mal deutlich mehr. Ich mag Sport draußen einfach lieber und ein Besuch im Fitnessstudio ist für mich ab und an und hauptsächlich im Winter eine gute Ergänzung, aber dafür lohnen sich die Konditionen meist nicht.

Kurzum: Für die Kombination Claudia+Fitnessstudio+Zirkeltraining sprach bislang nicht allzu viel. Letzte Woche landete ich dann aber doch in einem. Das lag einerseits am völlig vereisten Radweg, auf dem ich sonst laufe, und andererseits an der Erkenntnis, dass Laufen zwar gut ist, aber zu einseitig. Neben der Ausdauer wollte ich ein bisschen Krafttraining auf meinen Sportplan schreiben. Eine Idee, die ich direkt mal in ganz reale Taten verwandelte. Also: Unverbindliches Probetraining. Im Zirkel. Schauder.

Das Fitnessstudio meiner Wahl überraschte mich zuerst mit seiner wirklich schönen Einrichtung (hallo, das mit der Atmosphäre geht ja doch!) und direkt danach mit der Option, Zehnerkarten für’s Training und ohne Ablauffrist erstehen zu können. Tiptop, genau so etwas brauche ich!

Milon-ZirkelUnd es ging mit den positiven Überraschungen weiter, nämlich im sportlichen Bereich. Da fand sich kein schnöder, herkömmlicher Zirkel für das Kraft-Ausdauer-Training, sondern ein Milon-Zirkel. Soll heißen: der neueste heiße Scheiß, getestet von der Sporthochschule in Köln, für gut befunden. Ich beschließe, das kann dann für mich wohl auch nicht verkehrt sein.

Bisher hielt mich vom Krafttraining eigentlich immer der Aufwand ab, jedes Gerät neu einzustellen, kombiniert mit der Befürchtung, falsche Bewegungen zu machen und mir damit eher zu schaden. Und genau hier findet sich das vermutlich wunderbarste Element des Milon-Zirkel: Man erhält eine Chipkarte, auf der sich alle Einstellungen und Daten zu jedem Gerät speichern lassen. Genau die nimmt ein Trainer in einer Testrunde vor, danach kann man allein trainieren. Mit dem Einstecken der Karte konfiguriert sich jedes Gerät wunderhübsch automatisch. Falsche Bewegungen sind quasi unmöglich, über das Display kann man auch die Bewegungsamplitude und deren Geschwindigkeit verfolgen. Ebenfalls ein toller Aspekt: Ein Durchgang dauert gerade einmal zeitoptimierte 17,5 Minuten – 60 Sekunden pro Kraftgerät, 30 Sekunden zum Wechseln, jeweils vier Minuten an den zwei Ausdauergeräten. Perfekt, maximal effektives Training.

Nach Abschluss der jeweils zwei bis drei Runden liest man die Karte ein, speichert die Trainingseinheiten und zack, alles gut. Wer sein Training irgendwann anpassen möchte, z.B. mit höheren Belastungen, testet diese mit einem Trainer, der die neuen Einstellungen direkt wieder auf der Karte speichert. Damit kann man natürlich die Erfolge irgendwann auch im Zeitverlauf erfassen.

Ich war tatsächlich überrascht, wie viel Spaß Zirkeltraining machen kann. Ja, es ist anstrengend, aber nicht unmenschlich anstrengend. Man merkt, dass man etwas für sich tut, aber man kann sich auch an den nachfolgenden Tagen problemlos bewegen. Für mich persönlich ist der Milon-Zirkel eine optimale Ergänzung zum Laufen und Schwimmen und ich werde das definitiv beibehalten. Ich hätte nie vermutet, dass ich mal jemandem Zirkeltraining empfehlen würde, aber heute ist es soweit: Liebe Freunde, probiert das aus. Ernsthaft. So, jetzt muss ich nur noch lernen, auch Rosenkohl zu mögen. (Andererseits: Irgendwo ist’s auch mal gut.)