Lappland-Reisevorbereitung: Momente

Ich zog drei Paar Handschuhe übereinander und frage mich immer noch, ob das warm genug sein wird.

Ich zog vier Paar Handschuhe übereinander und stelle fest: Das ist zu viel – bzw. zu wenig, Platz nämlich, das fühlt sich ganz fies nach Fingerquetschung an.

Es gibt Schuhe und es gibt Lappland-Schuhe. Letzteres sind quasi kleine Häuschen, die für Füße gebaut wurden. Und die bis zu -100°C aushalten können (auch, wenn man selbst das dann vermutlich schon lange nicht mehr aushalten konnte).

Ich finde es grauenhaft, das zu bestätigen, aber: Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal nur zwei Paar Schuhe für einen Urlaub einplante. Und erst recht nicht, wann jemals Hausschuhe dabei gewesen wären.

Man glaubt nicht, wie viele warme Klamotten man gerollt in einen Koffer bekommen kann. Test erfolgreich.

Und ich glaube kaum, wie schwer es doch ist, die Eitelkeit ganz zu besiegen und kein Kleid auf die Liste zu packen (oder irgendein anderes nicht pragmatisches oder comfymäßiges Kleidungsstück), weil das einfach völliger Irrsinn wäre.

Ich werde ein Stirnband einpacken, das ich noch unter die Mütze ziehen kann. Farbwahl: gelb, Mütze: schwarz. Hallo, BVB! (Das BVB-Handtuch ist dann natürlich auch dabei.)

Im Zweifel werde ich vier Hosenlagen übereinander tragen können. (Sollte also auch für mich als Frostbeule klappen.)

Ich habe mir Wissen angelesen, ab wann so ein Nasenpiercing einfrieren könnte.

Begleitende Reiseliteratur: Marie von Ebner-Eschenbach und Elisabeth Rank.

Powering off. And on.

Seit fast zwei Monaten bin ich tatsächlich wieder in einem Fitnessstudio angemeldet – und das, obwohl ich Fitnessstudios eher wenig abgewinnen kann. Fahle Hallen mit großen, abstrakt und bedrohlich aussehenden metallischen Geräten, viel zu viele Auskenner, überall Werbung für Shakes, die den Bereich des geschmacklich Möglichen lange verlassen haben… – ach, ich könnte so weitermachen, aber ihr versteht mich schon.

Warum nun doch wieder Fitnessstudio? Das ist eigentlich recht einfach: Im Frühling und Sommer gehe ich mit durchaus annehmbarer Regelmäßigkeit laufen, aber sobald es draußen irre frostig und glatt wird oder andere erkältungs- und erfrierungsbejahende Zustände wüten, war es das. Kondition nur im Halbjahrestakt aufzubauen macht allerdings auch keinen Spaß: Unangenehme Wahrheit – man merkt, dass man nicht jünger wird und der Wiedereinstieg auch graduell nicht leichter. Da das gewählte Just Fit-Studio nachhaltig im Testzeitraum einen bestmöglichen Eindruck machte (inklusive Milon-Zirkel!) und die Idee von konstanter Kondition einfach zu reizvoll war, bin ich also wieder drin. Minimalziel: ein Mal Sport pro Woche, idealerweise eher 2-3 Mal (Ergänzung vom Streber-Me: Es gab auch schon zwei Wochen mit vier Einheiten! Ich Sport-Tier!).

Und bisher funktionierte das auch sehr gut. Aber heute, heute war genau der Tag, an dem so gar nichts ging. An dem die pure Vorstellung des Fitnessstudios furchtbar war. An dem sich mit jeder Minute die Trägheit erbarmungsloser ausbreitete. Und die Müdigkeit. An dem der Bedarf nach zwei Stunden auf der Couch und ein paar Folgen The Good Wife quasi unüberwindbar war.

Da stand ich also, Rucksack in der Hand (clevererweise nimmt man die Sportsachen ja mit ins Büro), und versuchte, mich gegen die Magnetkräfte meiner Sitzmöbel zu wehren. Was kann Sport schon bringen, wenn die Motivation nicht vorhanden ist? Ist nicht ein Abend auf der Couch endlich mal völlig vertretbar bei dem ganzen Unterwegs-Geseie? Ist schlafen nicht auch ein Ausgleich?

Aber dann übernahm Kollege Zweifel: Ist es nicht zu klischeehaft, wenn du jetzt schwach wirst? Ist der eine Abend nicht das Einfalltor, demnächst wieder mal nicht zu gehen und irgendwann den Schweinehund gewinnen zu lassen? Ist das der Anfang von monatlichen Beiträgen ohne Besuch? (Kollege Geiz so: Ja, ja!)

Es fühlte sich zumindest so an. Und auch, wenn das Argument eines Abends nur für mich, zum Runterkommen und als Ausgleich zu konstantem Tausend-Dinge-Getue-und-energetisch-Herumgespringe, völlig valide gewesen wäre, es war irgendwie falsch. Es schrie „aufgeben“. Und das steht einfach nicht im Programm. (Und ja, es hätte nicht der Beginn vom Ende der regelmäßigen Trainings sein müssen, aber manchmal hat man ja das Gefühl, dass es das sein könnte.)

Da stand ich also: Immer noch lustlos, aber gleichzeitig begann der Stachel des Ehrgeizes zu wirken. Und ich schleifte mich tatsächlich ins Studio. Aufwärmen, zwei Geräte, zwei Runden Zirkel. Die Überlegung, ob nicht drei Runden… Hier stoppte ich entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten dann aber das Ehrgeiztier: Nicht übertreiben. Feier, dass du überhaupt da bist. Nicht überpowern, nicht übertreiben, sodass am Ende doch auch noch etwas Zeit für die Couch bleibt. (Zufriedenheit an allen Ecken!)

Am Ende fühlte ich mich sogar wieder mehr nach „Powering on“ statt „Powering off“ und auch das Gefühl der Genugtuung, die Sport-Fatigue besiegt zu haben, ist ein durchaus angenehmes. Hoffen wir mal, dass das den Schweinehund bis auf Weiteres verjagt hat. Ziele, olé!

(Eigentlich ist das ein Beitrag für alle, die irgendwas zur Motivation suchen, wenn gerade ein Sport-Tief da ist, ob temporär oder langfristiger. Tadaaa! Weitermachen lohnte sich. Und jetzt gehe ich auf viel angenehmere Art und Weise müde schlafen.)